Ich verstehe zwar diese statistischen Methoden immer noch nicht ganz, aber die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit sich wieder scheiden zu lassen bei der Eheschließung über 50% beträgt, stimmt also hoffentlich doch nicht...
APA0247 2007-11-07/11:29
071129 Nov 07
Utl.: Durchschnittliche Dauer 40 Jahre - "Statistiken zeichnen ein
verzerrtes Bild" - Ehe- und Familienberater analysierte Daten
neu =
Linz (APA) - Die Ehe ist dauerhafter als ihr Ruf. Sie währt im Durchschnitt rund 40 Jahre und nicht - wie vielfach berichtet - zehn. Zu diesem Schluss kommt der Leiter der Abteilung Ehe und Familie im Linzer Pastoralamt, Rolf Sauer, in der aktuellen Ausgabe der "Kirchenzeitung" der Diözese. Grund für diese Diskrepanz ist seiner Meinung nach eine falsche Interpretation der Scheidungsziffern.
Ehen, die heute geschieden werden, dauerten tatsächlich nur rund zehn Jahre, so Sauer. Im Jahr 1970 aber beispielsweise sei die Scheidungsrate weit niedriger als heute, nämlich bei 22,4 Prozent gelegen. Daraus könne man ableiten, dass drei Viertel der damals geschlossenen Ehen - abgesehen von jenen, die durch den Tod auseinandergerissen wurden - nach wie vor bestehen.
"Die Statistiken zeichnen ein verzerrtes Bild", findet Sauer. Die aktuelle Zahl der Scheidungen würde immer nur mit der Zahl der Eheschließungen im Jahr der jeweiligen Hochzeit verglichen. Das sei aber keinesfalls ein Vergleich von aufrechten und geschiedenen Ehen insgesamt, führt er in seinem Artikel aus. Wolle man diesen anstellen, müsse man auch weiter zurückliegende Daten einbeziehen.
Sauer analysierte Daten der Statistik Austria nach den von ihm aufgestellten Gesichtspunkten neu. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Bund fürs Leben in Oberösterreich im Durchschnitt 40 Jahre hält. Durch die höhere Lebenserwartung dauere eine Ehe heute länger als vor 100 Jahren. Das stelle auch höhere Anforderungen an die Beziehungspflege, so der Eheberater.
(Schluss) ver/km
APA0247 2007-11-07/11:29
071129 Nov 07
Dienstag, 13. November 2007
Dienstag, 6. November 2007
Nutzung embryonaler Stammzellen: Heiße Luft!
„3rd International Conference on Science and Ethics of Assisted Human Reproduction and Stem Cell Research“: Stargast Edwards (1978 präsentierte er der Weltöffentlichkeit das erste „Retorten-Baby“ Louise Brown) teilt frank und frei mit, was er von der therapeutischen Nutzung embryonaler Stammzellen hält – nämlich nichts.
Auszug aus: Das merkwürdige Verhalten gefechtsbereiter Forscher im Stammzellstreit,
Die Tagespost vom 06.11.2007, von Christian Poplutz
Edwards betonte wiederholt, bisher seien humane embryonale Stammzellen (hES) noch nie auf ihren therapeutischen Wert getestet worden; auch müsse man sehr vorsichtig sein, denn man wisse nie, was bei der Injektion von embryonalen Stammzellen in den Körper geschehe. Es gebe weltweit keinen einzigen Therapieansatz mit ihnen – und im übrigen glaube er, dass sich dieses Thema bald erledigt haben würde. „Wir bewegen uns weg von den embryonalen Stammzellen“, so Edwards: Schließlich seien die adulten Stammzellen des Nabelschnurbluts „sehr gut“, mit denen „schon 35 genetische Defekte geheilt“ worden seien. Auch die auf dem Kongress von Paolo de Coppi (Padua) vorgestellten pluripotenten Stammzellen aus dem Fruchtwasser seien sehr interessant. Es sei „wichtig, dass alle derzeit zur Therapie am Menschen benutzten Stammzellen nicht von Embryonen stammten“, unterstrich Edwards.
...
Edwards hingegen stellte eine ganz andere Forschungsagenda auf: „Wenn ich noch forschen würde und noch Studenten hätte, gälte meine erste Priorität dem Nabelschnurblut, dann den anderen adulten Stammzellen, und schließlich – was ich überhaupt für das beste hielte – den Selbstregenerationsmechanismen, die wir etwa beim Salamander beobachten. Embryonale Stammzellen würde ich höchstens einfrieren, um sie später einmal zu verwenden.“
Als Edwards sein Urteil über die fehlenden Therapiemöglichkeiten mit embryonalen Stammzellen auch im Plenum wiederholte und mehrfach in die Runde fragte: „Oder kennt hier jemand solche Therapien – ich kenne keine einzige?!“ und daraufhin mangels einer Antwort des Auditoriums konstatierte, hier gebe es „eine Menge heiße Luft“, platzte dem Göttinger Humangenetiker Wolfgang Engel der Kragen: Zwar hätten humane embryonale Stammzellen in der Tat noch keine Krankheiten geheilt, doch „this is science“ – hier gehe es also nur um die Wissenschaft.
...
Hier geht's zum Artikel in voller Länge:
http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=35887
Auszug aus: Das merkwürdige Verhalten gefechtsbereiter Forscher im Stammzellstreit,
Die Tagespost vom 06.11.2007, von Christian Poplutz
Edwards betonte wiederholt, bisher seien humane embryonale Stammzellen (hES) noch nie auf ihren therapeutischen Wert getestet worden; auch müsse man sehr vorsichtig sein, denn man wisse nie, was bei der Injektion von embryonalen Stammzellen in den Körper geschehe. Es gebe weltweit keinen einzigen Therapieansatz mit ihnen – und im übrigen glaube er, dass sich dieses Thema bald erledigt haben würde. „Wir bewegen uns weg von den embryonalen Stammzellen“, so Edwards: Schließlich seien die adulten Stammzellen des Nabelschnurbluts „sehr gut“, mit denen „schon 35 genetische Defekte geheilt“ worden seien. Auch die auf dem Kongress von Paolo de Coppi (Padua) vorgestellten pluripotenten Stammzellen aus dem Fruchtwasser seien sehr interessant. Es sei „wichtig, dass alle derzeit zur Therapie am Menschen benutzten Stammzellen nicht von Embryonen stammten“, unterstrich Edwards.
...
Edwards hingegen stellte eine ganz andere Forschungsagenda auf: „Wenn ich noch forschen würde und noch Studenten hätte, gälte meine erste Priorität dem Nabelschnurblut, dann den anderen adulten Stammzellen, und schließlich – was ich überhaupt für das beste hielte – den Selbstregenerationsmechanismen, die wir etwa beim Salamander beobachten. Embryonale Stammzellen würde ich höchstens einfrieren, um sie später einmal zu verwenden.“
Als Edwards sein Urteil über die fehlenden Therapiemöglichkeiten mit embryonalen Stammzellen auch im Plenum wiederholte und mehrfach in die Runde fragte: „Oder kennt hier jemand solche Therapien – ich kenne keine einzige?!“ und daraufhin mangels einer Antwort des Auditoriums konstatierte, hier gebe es „eine Menge heiße Luft“, platzte dem Göttinger Humangenetiker Wolfgang Engel der Kragen: Zwar hätten humane embryonale Stammzellen in der Tat noch keine Krankheiten geheilt, doch „this is science“ – hier gehe es also nur um die Wissenschaft.
...
Hier geht's zum Artikel in voller Länge:
http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=35887
Wohlfühlbegriff Christliche Werte definiert
Christliche Werte ist ein Wohlfühlbegriff, der freundliches, schläfriges Kopfnicken auslöst bei den vielen, die sich über seine Definition noch keine Gedanken gemacht haben. Hier eine kleine Definitionshilfe vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger:
Auszug aus: Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben, Kongregation für die Glaubenslehre vom 24.11.2002.
In diesem Zusammenhang muß hinzugefügt werden, daß das gut gebildete christliche Gewissen niemandem gestattet, mit der eigenen Stimme die Umsetzung eines politischen Programms zu unterstützen, in dem die grundlegenden Inhalte des Glaubens und der Moral durch alternative oder diesen Inhalten widersprechende Vorschläge umgestoßen werden.
Weil der Glaube eine untrennbare Einheit bildet, ist es nicht möglich, auch nur einen seiner Inhalte herauszulösen, ohne der ganzen katholischen Lehre zu schaden. Der politische Einsatz für einen isolierten Aspekt der Soziallehre der Kirche würde der Verantwortung für das Gemeinwohl nicht gerecht.
Auch darf der Katholik nicht meinen, anderen die christliche Verpflichtung überlassen zu können, die ihm durch das Evangelium Jesu Christi zukommt, damit die Wahrheit über den Menschen und die Welt verkündet und verwirklicht werde.
Wenn die politische Tätigkeit mit moralischen Prinzipien konfrontiert wird, die keine Abweichungen, Ausnahmen oder Kompromisse irgendwelcher Art zulassen, dann ist der Einsatz der Katholiken deutlicher sichtbar und mit größerer Verantwortung verbunden. Geht es um diese grundlegenden, unaufgebbaren ethischen Forderungen, müssen die Gläubigen wissen, daß der Kern der moralischen Ordnung auf dem Spiel steht, der das Gesamtwohl der Person betrifft.
Dies ist der Fall bei den zivilen Gesetzen im Bereich der Abtreibung und der Euthanasie (nicht zu verwechseln mit dem Verzicht auf therapeutischen Übereifer, der - auch moralisch - erlaubt ist), die das vorrangige Recht des Menschen auf Leben von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende schützen müssen. In gleicher Weise ist an die Pflicht zu erinnern, die Rechte des menschlichen Embryos zu achten und zu verteidigen.
In analoger Weise muß der Schutz und die Förderung der Familie gewährleistet werden, die auf der mongamen Ehe zwischen Personen verschiedenen Geschlechts gründet und die in ihrer Einheit und Stabilität gegenüber den modernen Gesetzen über die Ehescheidung zu schützen ist. Andere Formen des Zusammenlebens können der Familie in keiner Weise rechtlich gleichgestellt werden noch als solche eine gesetzliche Anerkennung erhalten. Auch die Freiheit der Eltern in der Erziehung ihrer eigenen Kinder ist ein unaufgebbares Recht, das zudem von den internationalen Erklärungen der Menschenrechte anerkannt ist. In gleicher Weise muss an den sozialen Schutz der Minderjährigen und an die Befreiung der Opfer von den modernen Formen der Sklaverei (zum Beispiel der Droge oder der Ausnützung durch die Prostitution) gedacht werden.
Nicht fehlen darf in dieser Aufzählung das Recht auf Religionsfreiheit sowie die Entwicklung einer Wirtschaftsordnung, die im Dienst der Person und des Gemeinwohls steht und die soziale Gerechtigkeit und die Prinzipien der menschlichen Solidarität und der Subsidiarität beachtet, gemäß denen “die Rechte aller Personen, Familien und gesellschaftlichen Gruppen und deren Ausübung anerkannt werden sollen".
Schließlich ist unter diesen Beispielen das große Thema des Friedens zu nennen. Eine irenische und ideologische Sichtweise neigt manchmal dazu, den Wert des Friedens zu säkularisieren, während man sich in anderen Fällen mit einem zusammenfassenden ethischen Urteil begnügt und die Komplexität der in Frage stehenden Ursachen vergißt. Der Friede ist immer “das Werk der Gerechtigkeit und die Wirkung der Liebe". Er verlangt, daß Gewalt und Terrorismus radikal und absolut zurückgewiesen werden. Er fordert den beständigen und wachsamen Einsatz jener, die in der Politik Verantwortung tragen.
Der gesamte Text findet sich auf: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20021124_politica_ge.html
Auszug aus: Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben, Kongregation für die Glaubenslehre vom 24.11.2002.
In diesem Zusammenhang muß hinzugefügt werden, daß das gut gebildete christliche Gewissen niemandem gestattet, mit der eigenen Stimme die Umsetzung eines politischen Programms zu unterstützen, in dem die grundlegenden Inhalte des Glaubens und der Moral durch alternative oder diesen Inhalten widersprechende Vorschläge umgestoßen werden.
Weil der Glaube eine untrennbare Einheit bildet, ist es nicht möglich, auch nur einen seiner Inhalte herauszulösen, ohne der ganzen katholischen Lehre zu schaden. Der politische Einsatz für einen isolierten Aspekt der Soziallehre der Kirche würde der Verantwortung für das Gemeinwohl nicht gerecht.
Auch darf der Katholik nicht meinen, anderen die christliche Verpflichtung überlassen zu können, die ihm durch das Evangelium Jesu Christi zukommt, damit die Wahrheit über den Menschen und die Welt verkündet und verwirklicht werde.
Wenn die politische Tätigkeit mit moralischen Prinzipien konfrontiert wird, die keine Abweichungen, Ausnahmen oder Kompromisse irgendwelcher Art zulassen, dann ist der Einsatz der Katholiken deutlicher sichtbar und mit größerer Verantwortung verbunden. Geht es um diese grundlegenden, unaufgebbaren ethischen Forderungen, müssen die Gläubigen wissen, daß der Kern der moralischen Ordnung auf dem Spiel steht, der das Gesamtwohl der Person betrifft.
Dies ist der Fall bei den zivilen Gesetzen im Bereich der Abtreibung und der Euthanasie (nicht zu verwechseln mit dem Verzicht auf therapeutischen Übereifer, der - auch moralisch - erlaubt ist), die das vorrangige Recht des Menschen auf Leben von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende schützen müssen. In gleicher Weise ist an die Pflicht zu erinnern, die Rechte des menschlichen Embryos zu achten und zu verteidigen.
In analoger Weise muß der Schutz und die Förderung der Familie gewährleistet werden, die auf der mongamen Ehe zwischen Personen verschiedenen Geschlechts gründet und die in ihrer Einheit und Stabilität gegenüber den modernen Gesetzen über die Ehescheidung zu schützen ist. Andere Formen des Zusammenlebens können der Familie in keiner Weise rechtlich gleichgestellt werden noch als solche eine gesetzliche Anerkennung erhalten. Auch die Freiheit der Eltern in der Erziehung ihrer eigenen Kinder ist ein unaufgebbares Recht, das zudem von den internationalen Erklärungen der Menschenrechte anerkannt ist. In gleicher Weise muss an den sozialen Schutz der Minderjährigen und an die Befreiung der Opfer von den modernen Formen der Sklaverei (zum Beispiel der Droge oder der Ausnützung durch die Prostitution) gedacht werden.
Nicht fehlen darf in dieser Aufzählung das Recht auf Religionsfreiheit sowie die Entwicklung einer Wirtschaftsordnung, die im Dienst der Person und des Gemeinwohls steht und die soziale Gerechtigkeit und die Prinzipien der menschlichen Solidarität und der Subsidiarität beachtet, gemäß denen “die Rechte aller Personen, Familien und gesellschaftlichen Gruppen und deren Ausübung anerkannt werden sollen".
Schließlich ist unter diesen Beispielen das große Thema des Friedens zu nennen. Eine irenische und ideologische Sichtweise neigt manchmal dazu, den Wert des Friedens zu säkularisieren, während man sich in anderen Fällen mit einem zusammenfassenden ethischen Urteil begnügt und die Komplexität der in Frage stehenden Ursachen vergißt. Der Friede ist immer “das Werk der Gerechtigkeit und die Wirkung der Liebe". Er verlangt, daß Gewalt und Terrorismus radikal und absolut zurückgewiesen werden. Er fordert den beständigen und wachsamen Einsatz jener, die in der Politik Verantwortung tragen.
Der gesamte Text findet sich auf: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20021124_politica_ge.html
Montag, 15. Oktober 2007
"Kommentar der anderen" zu Eva Herman
Sehr lesenswerter "Kommentar der anderen" im Standard (12.10.):
Journalismus als Tribunal
Wie Eva Herman "Bei Kerner" das Bleiberecht verweigert wurde - Und warum das nicht unbedingt ein Grund zur Genugtuung ist - Von Sonja Dormann
http://derstandard.at/?url=/?id=3071215
Journalismus als Tribunal
Wie Eva Herman "Bei Kerner" das Bleiberecht verweigert wurde - Und warum das nicht unbedingt ein Grund zur Genugtuung ist - Von Sonja Dormann
Zwei Vorausschickungen: Erstens: Als Grünwählerin fühle ich mich politisch dem linksliberalen Spektrum zugehörig. Die "andere Seite" ist für mich keine diskutable Option, war nie eine, könnte nie eine sein. Zweitens: Eva Herman ist mir, aufgrund des Wenigen, das ich bis zu ihrem TV-Auftritt bei Kerner über sie wusste, durch und durch unsympathisch. Ihr Auftreten, das zynische Zucken um ihre Mundwinkel, die ständig ironisch spielenden Augenbrauen, verbessern meine Meinung kein bisschen.
Aber nicht sie ist das Problem der Gesprächsrunde.
Kerner ist bestimmt kein schlechter Moderator. Senta Berger ist bestimmt keine dumme Frau. Schreinemakers ist, so sagt die Einblendung, Diplom-Soziologin.
Der zurate gezogene Historiker wird sicherlich die Geschichte des Dritten Reiches eingehend und langjährig studiert und analysiert haben.
Mediale Hinrichtung
Und doch, dieses Zusammentreffen intelligenter, liberaler Menschen, scheint keinen anderen Zweck zu verfolgen, als einen als persona non grata befundenen Menschen medial hinzurichten. Man wirft Herman vor, ihren Standpunkt nicht zu verlassen (den man sie aber auch nie in Ruhe klarstellen lässt), bemerkt dabei aber gar nicht, dass der - ach so liberale! - Ausgangspunkt schon vor Gesprächsbeginn festgelegt war. Herman = böse, wir = gut, ergo: Auf sie mit Geschrei.
Ich korrigiere: Kerner ist sogar ein sehr schlechter Moderator. Er erntet Applaus für seine "couragierte" Entscheidung - aber was passiert wirklich? Kerner lässt sich von seiner persönlichen Einstellung, seiner Gesinnung bzw. seinen Sympathien und Antipathien derart leiten, dass keinerlei Widerspruch geduldet wird. Von vorne herein wird Herman - ohne Prozess und ohne Fürsprecher - als Schuldige behandelt. Nicht zu unrecht bekrittelt Herman, Kerner habe einen Historiker bestellt, der seine Position unterstützt, während es viele andere gäbe, die ihre Aussage, anstatt sie zu zerfetzen, relativieren würden, ohne dabei den Nationalsozialismus gutzuheißen.
Noch dazu bemerkt Kerner nicht, dass fast während des gesamten Gesprächs zwei völlig unzusammenhängende Themen durcheinandergemischt werden. Auf der einen Seite Hermans "NS-Sager", auf der anderen Seite die Inhalte ihrer Bücher zum Thema Frau und Familie. Der Strick, der "sich" daraus dreht, muss fast zwangsläufig jede konstruktive Diskussion im Keim erwürgen. Vier post-moderne liberale Emanzen beiderlei Geschlechts stürzen sich auf die unerwünschte Konservative und greifen sie abwechselnd ihrer Aussagen und ihres Wertesystems wegen an, im Irrglauben, beides sei ein und dieselbe Sache.
Schlimmer noch: Man hätte sie in diesem Rahmen, das vermittelt der Diskussionsverlauf nur allzu deutlich, auch ohne den kolportierten Verbal-Skandal so oder so ideologisch in der Luft zerrissen. Nach dem Motto: Liberal ist, was fortschrittlich ist. Und was fortschrittlich ist, bestimme ich. Gegenüber "konservativ" gescholtenen Werte (sei es Religion, seien es traditionelle Familienmodelle), gibt es in so einem Liberalismusverständnis wenig Toleranz, wenig Verständnis, wenig Freiraum. Persönliche Freiheit und individuelle Entfaltung, ja gerne, aber nur zu unseren Bedingungen!
Dass Eva Herman in Anbetracht dieser feindlichen Atmosphäre ein zunehmend unkooperativer Gast ist, verwundert kaum. Der Auftritt in Kerners Sendung hätte eine Möglichkeit sein können, ihr öffentliches Gesicht zu wahren oder wiederzuerlangen, oder sich klar zu positionieren. Die Chance dazu wurde ihr aber gar nicht erst zugestanden. Der Moderator entscheidet sich für die ihm angenehmeren Gäste, die mit der schwierigen Situation nicht zurecht kommen - Senta Berger droht, zu gehen, unter anderem weil sie Hermans Bücher nicht kennt und deshalb nicht mitreden kann (!) - und Herman wird des Saales verwiesen.
Zulässige Frage?
Möglich, dass der Aufschrei nach Hermans Aussagen gerechtfertigt war. Möglich, dass die Ex-Moderatorin tatsächlich mehr mit dem Nationalsozialismus verbindet als der Vorname. Möglich, dass Eva Herman wirklich nicht nur eine konservative Familienverfechterin, sondern eine Apologetin des Dritten Reichs ist. Ich weiß es nicht. Als Privatperson darf ich mir aber erlauben zu sagen: Mir ist das jetzt im Moment - in dem Moment, in dem ich über die eben bezeugte linke Gesprächskultur nachdenke - vorerst einmal ziemlich egal.
Denn selbst wenn es so wäre - und trotz alledem. Darf man, frage ich mich, als seriöser Journalist, als seriöser Fernsehmoderator, als seriöser Liberaler, eine Diskussion so führen, so entgleiten lassen, und so beenden? (DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2007)
Sonja Dormann ist serielle Grün-Wählerin, STANDARD-Leserin und Gelegenheits-TV-Kosumentin.
Journalismus als Tribunal
Wie Eva Herman "Bei Kerner" das Bleiberecht verweigert wurde - Und warum das nicht unbedingt ein Grund zur Genugtuung ist - Von Sonja Dormann
http://derstandard.at/?url=/?id=3071215
Journalismus als Tribunal
Wie Eva Herman "Bei Kerner" das Bleiberecht verweigert wurde - Und warum das nicht unbedingt ein Grund zur Genugtuung ist - Von Sonja Dormann
Zwei Vorausschickungen: Erstens: Als Grünwählerin fühle ich mich politisch dem linksliberalen Spektrum zugehörig. Die "andere Seite" ist für mich keine diskutable Option, war nie eine, könnte nie eine sein. Zweitens: Eva Herman ist mir, aufgrund des Wenigen, das ich bis zu ihrem TV-Auftritt bei Kerner über sie wusste, durch und durch unsympathisch. Ihr Auftreten, das zynische Zucken um ihre Mundwinkel, die ständig ironisch spielenden Augenbrauen, verbessern meine Meinung kein bisschen.
Aber nicht sie ist das Problem der Gesprächsrunde.
Kerner ist bestimmt kein schlechter Moderator. Senta Berger ist bestimmt keine dumme Frau. Schreinemakers ist, so sagt die Einblendung, Diplom-Soziologin.
Der zurate gezogene Historiker wird sicherlich die Geschichte des Dritten Reiches eingehend und langjährig studiert und analysiert haben.
Mediale Hinrichtung
Und doch, dieses Zusammentreffen intelligenter, liberaler Menschen, scheint keinen anderen Zweck zu verfolgen, als einen als persona non grata befundenen Menschen medial hinzurichten. Man wirft Herman vor, ihren Standpunkt nicht zu verlassen (den man sie aber auch nie in Ruhe klarstellen lässt), bemerkt dabei aber gar nicht, dass der - ach so liberale! - Ausgangspunkt schon vor Gesprächsbeginn festgelegt war. Herman = böse, wir = gut, ergo: Auf sie mit Geschrei.
Ich korrigiere: Kerner ist sogar ein sehr schlechter Moderator. Er erntet Applaus für seine "couragierte" Entscheidung - aber was passiert wirklich? Kerner lässt sich von seiner persönlichen Einstellung, seiner Gesinnung bzw. seinen Sympathien und Antipathien derart leiten, dass keinerlei Widerspruch geduldet wird. Von vorne herein wird Herman - ohne Prozess und ohne Fürsprecher - als Schuldige behandelt. Nicht zu unrecht bekrittelt Herman, Kerner habe einen Historiker bestellt, der seine Position unterstützt, während es viele andere gäbe, die ihre Aussage, anstatt sie zu zerfetzen, relativieren würden, ohne dabei den Nationalsozialismus gutzuheißen.
Noch dazu bemerkt Kerner nicht, dass fast während des gesamten Gesprächs zwei völlig unzusammenhängende Themen durcheinandergemischt werden. Auf der einen Seite Hermans "NS-Sager", auf der anderen Seite die Inhalte ihrer Bücher zum Thema Frau und Familie. Der Strick, der "sich" daraus dreht, muss fast zwangsläufig jede konstruktive Diskussion im Keim erwürgen. Vier post-moderne liberale Emanzen beiderlei Geschlechts stürzen sich auf die unerwünschte Konservative und greifen sie abwechselnd ihrer Aussagen und ihres Wertesystems wegen an, im Irrglauben, beides sei ein und dieselbe Sache.
Schlimmer noch: Man hätte sie in diesem Rahmen, das vermittelt der Diskussionsverlauf nur allzu deutlich, auch ohne den kolportierten Verbal-Skandal so oder so ideologisch in der Luft zerrissen. Nach dem Motto: Liberal ist, was fortschrittlich ist. Und was fortschrittlich ist, bestimme ich. Gegenüber "konservativ" gescholtenen Werte (sei es Religion, seien es traditionelle Familienmodelle), gibt es in so einem Liberalismusverständnis wenig Toleranz, wenig Verständnis, wenig Freiraum. Persönliche Freiheit und individuelle Entfaltung, ja gerne, aber nur zu unseren Bedingungen!
Dass Eva Herman in Anbetracht dieser feindlichen Atmosphäre ein zunehmend unkooperativer Gast ist, verwundert kaum. Der Auftritt in Kerners Sendung hätte eine Möglichkeit sein können, ihr öffentliches Gesicht zu wahren oder wiederzuerlangen, oder sich klar zu positionieren. Die Chance dazu wurde ihr aber gar nicht erst zugestanden. Der Moderator entscheidet sich für die ihm angenehmeren Gäste, die mit der schwierigen Situation nicht zurecht kommen - Senta Berger droht, zu gehen, unter anderem weil sie Hermans Bücher nicht kennt und deshalb nicht mitreden kann (!) - und Herman wird des Saales verwiesen.
Zulässige Frage?
Möglich, dass der Aufschrei nach Hermans Aussagen gerechtfertigt war. Möglich, dass die Ex-Moderatorin tatsächlich mehr mit dem Nationalsozialismus verbindet als der Vorname. Möglich, dass Eva Herman wirklich nicht nur eine konservative Familienverfechterin, sondern eine Apologetin des Dritten Reichs ist. Ich weiß es nicht. Als Privatperson darf ich mir aber erlauben zu sagen: Mir ist das jetzt im Moment - in dem Moment, in dem ich über die eben bezeugte linke Gesprächskultur nachdenke - vorerst einmal ziemlich egal.
Denn selbst wenn es so wäre - und trotz alledem. Darf man, frage ich mich, als seriöser Journalist, als seriöser Fernsehmoderator, als seriöser Liberaler, eine Diskussion so führen, so entgleiten lassen, und so beenden? (DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2007)
Sonja Dormann ist serielle Grün-Wählerin, STANDARD-Leserin und Gelegenheits-TV-Kosumentin.
Freitag, 5. Oktober 2007
Ein familienfreundlicheres Steuersystem ...
Donnerstag, 13. September 2007
Reden des Papstes zum Anhören!
Die Reden des Papstes in Österreich waren äußerst gut überlegt, klar und spannend.
Ein (nochmaliges) Anhören kann ich sehr empfehlen!
Alle Reden finden sich als download auf:
http://www.papstbesuch.at/site/article_list.siteswift?do=all&c=gotosection&d=site%2Fde%2Fhome%2Faudio%2Freden
Ein (nochmaliges) Anhören kann ich sehr empfehlen!
Alle Reden finden sich als download auf:
http://www.papstbesuch.at/site/article_list.siteswift?do=all&c=gotosection&d=site%2Fde%2Fhome%2Faudio%2Freden
Montag, 10. September 2007
Wer ist jetzt wirklich in der Krise?
Auszüge aus einem Leitartikel von Dietmar Neuwirth in Die Presse am 10.9. zum Papstbesuch und die sich daran anschließenden politischen Debatten in den Medien
„Der Papst ist weg – die Ignoranz bleibt“
DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)
... Selten wurde offenbar, wie mechanisch, hohl, geistlos und abseits jeder Realität manchmal die sogenannte politische Debatte funktioniert. Euphemistisch gesagt: Wie sehr die Fähigkeit zur selektiven Wahrnehmung perfektioniert wurde. Deutlicher formuliert: Wie groß die Ignoranz und Intoleranz gegenüber allem ist, was dem Mainstream widerspricht. Wie gering das Unvermögen, zu hören, hinzuhören geworden ist.
Könnte es womöglich gar sein, dass sich weniger die katholische Kirche in einer Krise befindet als die heutige Gesellschaft insgesamt? Dass die langen Kolonnen von Minus-Zahlen in einschlägigen Kirchen-Statistiken auch als eine vielleicht schmerzhafte, aber insgesamt hilfreiche Abkehr von Quantität in Richtung Qualität zu lesen sind? Wenn das über Jahrhunderte christlich geprägte und sozialisierte Europa schon die Botschaft des Christentums so gar nicht mehr zu verstehen imstande ist, wie viel größer muss da das Nicht-Verstehen anderer Religionen wie beispielsweise des Islam sein?
Der Papst ist also seit gestern Abend zurück im Vatikan. Die 56 1/2 Stunden waren geprägt von vielen großen und kleinen Gesten, von der merkbaren Zuneigung dieses Papstes für Österreich und vor allem von seinem festen Willen, der kleiner gewordenen Herde Stärkung und Orientierung zu geben – und von großen Missverständnissen. Die katholische Kirche als mittlerweile manchmal völlig allein gelassener Verteidiger humanitärer und europäischer Werte wird ob ihres Einsatzes nicht nur nicht mehr gewürdigt, sondern auch bei noch so großem Bemühen der Amtsträger auch kaum verstanden. Man darf um die Zukunft des Kontinents getrost besorgt sein.
Zum Volltext: http://www.diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/328914/index.do
„Der Papst ist weg – die Ignoranz bleibt“
DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)
... Selten wurde offenbar, wie mechanisch, hohl, geistlos und abseits jeder Realität manchmal die sogenannte politische Debatte funktioniert. Euphemistisch gesagt: Wie sehr die Fähigkeit zur selektiven Wahrnehmung perfektioniert wurde. Deutlicher formuliert: Wie groß die Ignoranz und Intoleranz gegenüber allem ist, was dem Mainstream widerspricht. Wie gering das Unvermögen, zu hören, hinzuhören geworden ist.
Könnte es womöglich gar sein, dass sich weniger die katholische Kirche in einer Krise befindet als die heutige Gesellschaft insgesamt? Dass die langen Kolonnen von Minus-Zahlen in einschlägigen Kirchen-Statistiken auch als eine vielleicht schmerzhafte, aber insgesamt hilfreiche Abkehr von Quantität in Richtung Qualität zu lesen sind? Wenn das über Jahrhunderte christlich geprägte und sozialisierte Europa schon die Botschaft des Christentums so gar nicht mehr zu verstehen imstande ist, wie viel größer muss da das Nicht-Verstehen anderer Religionen wie beispielsweise des Islam sein?
Der Papst ist also seit gestern Abend zurück im Vatikan. Die 56 1/2 Stunden waren geprägt von vielen großen und kleinen Gesten, von der merkbaren Zuneigung dieses Papstes für Österreich und vor allem von seinem festen Willen, der kleiner gewordenen Herde Stärkung und Orientierung zu geben – und von großen Missverständnissen. Die katholische Kirche als mittlerweile manchmal völlig allein gelassener Verteidiger humanitärer und europäischer Werte wird ob ihres Einsatzes nicht nur nicht mehr gewürdigt, sondern auch bei noch so großem Bemühen der Amtsträger auch kaum verstanden. Man darf um die Zukunft des Kontinents getrost besorgt sein.
Zum Volltext: http://www.diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/328914/index.do
Abonnieren
Posts (Atom)
