Sehr lesenswerter "Kommentar der anderen" im Standard (12.10.):
Journalismus als Tribunal
Wie Eva Herman "Bei Kerner" das Bleiberecht verweigert wurde - Und warum das nicht unbedingt ein Grund zur Genugtuung ist - Von Sonja Dormann
http://derstandard.at/?url=/?id=3071215
Journalismus als Tribunal
Wie Eva Herman "Bei Kerner" das Bleiberecht verweigert wurde - Und warum das nicht unbedingt ein Grund zur Genugtuung ist - Von Sonja Dormann
Zwei Vorausschickungen: Erstens: Als Grünwählerin fühle ich mich politisch dem linksliberalen Spektrum zugehörig. Die "andere Seite" ist für mich keine diskutable Option, war nie eine, könnte nie eine sein. Zweitens: Eva Herman ist mir, aufgrund des Wenigen, das ich bis zu ihrem TV-Auftritt bei Kerner über sie wusste, durch und durch unsympathisch. Ihr Auftreten, das zynische Zucken um ihre Mundwinkel, die ständig ironisch spielenden Augenbrauen, verbessern meine Meinung kein bisschen.
Aber nicht sie ist das Problem der Gesprächsrunde.
Kerner ist bestimmt kein schlechter Moderator. Senta Berger ist bestimmt keine dumme Frau. Schreinemakers ist, so sagt die Einblendung, Diplom-Soziologin.
Der zurate gezogene Historiker wird sicherlich die Geschichte des Dritten Reiches eingehend und langjährig studiert und analysiert haben.
Mediale Hinrichtung
Und doch, dieses Zusammentreffen intelligenter, liberaler Menschen, scheint keinen anderen Zweck zu verfolgen, als einen als persona non grata befundenen Menschen medial hinzurichten. Man wirft Herman vor, ihren Standpunkt nicht zu verlassen (den man sie aber auch nie in Ruhe klarstellen lässt), bemerkt dabei aber gar nicht, dass der - ach so liberale! - Ausgangspunkt schon vor Gesprächsbeginn festgelegt war. Herman = böse, wir = gut, ergo: Auf sie mit Geschrei.
Ich korrigiere: Kerner ist sogar ein sehr schlechter Moderator. Er erntet Applaus für seine "couragierte" Entscheidung - aber was passiert wirklich? Kerner lässt sich von seiner persönlichen Einstellung, seiner Gesinnung bzw. seinen Sympathien und Antipathien derart leiten, dass keinerlei Widerspruch geduldet wird. Von vorne herein wird Herman - ohne Prozess und ohne Fürsprecher - als Schuldige behandelt. Nicht zu unrecht bekrittelt Herman, Kerner habe einen Historiker bestellt, der seine Position unterstützt, während es viele andere gäbe, die ihre Aussage, anstatt sie zu zerfetzen, relativieren würden, ohne dabei den Nationalsozialismus gutzuheißen.
Noch dazu bemerkt Kerner nicht, dass fast während des gesamten Gesprächs zwei völlig unzusammenhängende Themen durcheinandergemischt werden. Auf der einen Seite Hermans "NS-Sager", auf der anderen Seite die Inhalte ihrer Bücher zum Thema Frau und Familie. Der Strick, der "sich" daraus dreht, muss fast zwangsläufig jede konstruktive Diskussion im Keim erwürgen. Vier post-moderne liberale Emanzen beiderlei Geschlechts stürzen sich auf die unerwünschte Konservative und greifen sie abwechselnd ihrer Aussagen und ihres Wertesystems wegen an, im Irrglauben, beides sei ein und dieselbe Sache.
Schlimmer noch: Man hätte sie in diesem Rahmen, das vermittelt der Diskussionsverlauf nur allzu deutlich, auch ohne den kolportierten Verbal-Skandal so oder so ideologisch in der Luft zerrissen. Nach dem Motto: Liberal ist, was fortschrittlich ist. Und was fortschrittlich ist, bestimme ich. Gegenüber "konservativ" gescholtenen Werte (sei es Religion, seien es traditionelle Familienmodelle), gibt es in so einem Liberalismusverständnis wenig Toleranz, wenig Verständnis, wenig Freiraum. Persönliche Freiheit und individuelle Entfaltung, ja gerne, aber nur zu unseren Bedingungen!
Dass Eva Herman in Anbetracht dieser feindlichen Atmosphäre ein zunehmend unkooperativer Gast ist, verwundert kaum. Der Auftritt in Kerners Sendung hätte eine Möglichkeit sein können, ihr öffentliches Gesicht zu wahren oder wiederzuerlangen, oder sich klar zu positionieren. Die Chance dazu wurde ihr aber gar nicht erst zugestanden. Der Moderator entscheidet sich für die ihm angenehmeren Gäste, die mit der schwierigen Situation nicht zurecht kommen - Senta Berger droht, zu gehen, unter anderem weil sie Hermans Bücher nicht kennt und deshalb nicht mitreden kann (!) - und Herman wird des Saales verwiesen.
Zulässige Frage?
Möglich, dass der Aufschrei nach Hermans Aussagen gerechtfertigt war. Möglich, dass die Ex-Moderatorin tatsächlich mehr mit dem Nationalsozialismus verbindet als der Vorname. Möglich, dass Eva Herman wirklich nicht nur eine konservative Familienverfechterin, sondern eine Apologetin des Dritten Reichs ist. Ich weiß es nicht. Als Privatperson darf ich mir aber erlauben zu sagen: Mir ist das jetzt im Moment - in dem Moment, in dem ich über die eben bezeugte linke Gesprächskultur nachdenke - vorerst einmal ziemlich egal.
Denn selbst wenn es so wäre - und trotz alledem. Darf man, frage ich mich, als seriöser Journalist, als seriöser Fernsehmoderator, als seriöser Liberaler, eine Diskussion so führen, so entgleiten lassen, und so beenden? (DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2007)
Sonja Dormann ist serielle Grün-Wählerin, STANDARD-Leserin und Gelegenheits-TV-Kosumentin.
Montag, 15. Oktober 2007
Freitag, 5. Oktober 2007
Ein familienfreundlicheres Steuersystem ...
Donnerstag, 13. September 2007
Reden des Papstes zum Anhören!
Die Reden des Papstes in Österreich waren äußerst gut überlegt, klar und spannend.
Ein (nochmaliges) Anhören kann ich sehr empfehlen!
Alle Reden finden sich als download auf:
http://www.papstbesuch.at/site/article_list.siteswift?do=all&c=gotosection&d=site%2Fde%2Fhome%2Faudio%2Freden
Ein (nochmaliges) Anhören kann ich sehr empfehlen!
Alle Reden finden sich als download auf:
http://www.papstbesuch.at/site/article_list.siteswift?do=all&c=gotosection&d=site%2Fde%2Fhome%2Faudio%2Freden
Montag, 10. September 2007
Wer ist jetzt wirklich in der Krise?
Auszüge aus einem Leitartikel von Dietmar Neuwirth in Die Presse am 10.9. zum Papstbesuch und die sich daran anschließenden politischen Debatten in den Medien
„Der Papst ist weg – die Ignoranz bleibt“
DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)
... Selten wurde offenbar, wie mechanisch, hohl, geistlos und abseits jeder Realität manchmal die sogenannte politische Debatte funktioniert. Euphemistisch gesagt: Wie sehr die Fähigkeit zur selektiven Wahrnehmung perfektioniert wurde. Deutlicher formuliert: Wie groß die Ignoranz und Intoleranz gegenüber allem ist, was dem Mainstream widerspricht. Wie gering das Unvermögen, zu hören, hinzuhören geworden ist.
Könnte es womöglich gar sein, dass sich weniger die katholische Kirche in einer Krise befindet als die heutige Gesellschaft insgesamt? Dass die langen Kolonnen von Minus-Zahlen in einschlägigen Kirchen-Statistiken auch als eine vielleicht schmerzhafte, aber insgesamt hilfreiche Abkehr von Quantität in Richtung Qualität zu lesen sind? Wenn das über Jahrhunderte christlich geprägte und sozialisierte Europa schon die Botschaft des Christentums so gar nicht mehr zu verstehen imstande ist, wie viel größer muss da das Nicht-Verstehen anderer Religionen wie beispielsweise des Islam sein?
Der Papst ist also seit gestern Abend zurück im Vatikan. Die 56 1/2 Stunden waren geprägt von vielen großen und kleinen Gesten, von der merkbaren Zuneigung dieses Papstes für Österreich und vor allem von seinem festen Willen, der kleiner gewordenen Herde Stärkung und Orientierung zu geben – und von großen Missverständnissen. Die katholische Kirche als mittlerweile manchmal völlig allein gelassener Verteidiger humanitärer und europäischer Werte wird ob ihres Einsatzes nicht nur nicht mehr gewürdigt, sondern auch bei noch so großem Bemühen der Amtsträger auch kaum verstanden. Man darf um die Zukunft des Kontinents getrost besorgt sein.
Zum Volltext: http://www.diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/328914/index.do
„Der Papst ist weg – die Ignoranz bleibt“
DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)
... Selten wurde offenbar, wie mechanisch, hohl, geistlos und abseits jeder Realität manchmal die sogenannte politische Debatte funktioniert. Euphemistisch gesagt: Wie sehr die Fähigkeit zur selektiven Wahrnehmung perfektioniert wurde. Deutlicher formuliert: Wie groß die Ignoranz und Intoleranz gegenüber allem ist, was dem Mainstream widerspricht. Wie gering das Unvermögen, zu hören, hinzuhören geworden ist.
Könnte es womöglich gar sein, dass sich weniger die katholische Kirche in einer Krise befindet als die heutige Gesellschaft insgesamt? Dass die langen Kolonnen von Minus-Zahlen in einschlägigen Kirchen-Statistiken auch als eine vielleicht schmerzhafte, aber insgesamt hilfreiche Abkehr von Quantität in Richtung Qualität zu lesen sind? Wenn das über Jahrhunderte christlich geprägte und sozialisierte Europa schon die Botschaft des Christentums so gar nicht mehr zu verstehen imstande ist, wie viel größer muss da das Nicht-Verstehen anderer Religionen wie beispielsweise des Islam sein?
Der Papst ist also seit gestern Abend zurück im Vatikan. Die 56 1/2 Stunden waren geprägt von vielen großen und kleinen Gesten, von der merkbaren Zuneigung dieses Papstes für Österreich und vor allem von seinem festen Willen, der kleiner gewordenen Herde Stärkung und Orientierung zu geben – und von großen Missverständnissen. Die katholische Kirche als mittlerweile manchmal völlig allein gelassener Verteidiger humanitärer und europäischer Werte wird ob ihres Einsatzes nicht nur nicht mehr gewürdigt, sondern auch bei noch so großem Bemühen der Amtsträger auch kaum verstanden. Man darf um die Zukunft des Kontinents getrost besorgt sein.
Zum Volltext: http://www.diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/328914/index.do
Samstag, 25. August 2007
Antigone
Im Sommer hat man ja bekanntlich Zeit, Bücher zu lesen bzw. nochmals durchzublättern. Da haben mich wieder einige Worte aus Antigones Mund sehr bewegt.
So sagt das junge Mädchen bei Sophokles dem König Kreon ins Gesicht:
„Ich denke nicht, dass Du, ein sterblicher Mann, mit einem Atemzug die
unveränderlichen und ungeschriebenen Gesetze des Himmels aufheben und
überstimmen könntest. Denn diese Gesetze sind nicht heute oder gestern
geboren, sondern sie leben ewig, .... Ich, die ich keines Sterblichen Miene
fürchte, war nicht geneigt, diese Gesetze zu übertreten und so den Zorn des
Himmels herabzurufen."
Und in Anouilhs Version sagt sie zu ihm:
"Pauvre Créon! Avec mes ongles cases et pleins e terre et les bleus
que tes gardes m’ont faits aux bras, avec ma peur qui me tord le ventre, moi
je suis reine."
Sie spricht direkt ins Herz - und ist außerdem seit über 2500 Jahren brandaktuell.
PS: Aus dem Prolog von Anouilhs Antigone: "C’est Eurydice, la femme de Créon. Elle tricotera pendant toute la tragédie jusqu’à ce que son tour vienne de se lever et de mourir."
:-)
So sagt das junge Mädchen bei Sophokles dem König Kreon ins Gesicht:
„Ich denke nicht, dass Du, ein sterblicher Mann, mit einem Atemzug die
unveränderlichen und ungeschriebenen Gesetze des Himmels aufheben und
überstimmen könntest. Denn diese Gesetze sind nicht heute oder gestern
geboren, sondern sie leben ewig, .... Ich, die ich keines Sterblichen Miene
fürchte, war nicht geneigt, diese Gesetze zu übertreten und so den Zorn des
Himmels herabzurufen."
Und in Anouilhs Version sagt sie zu ihm:
"Pauvre Créon! Avec mes ongles cases et pleins e terre et les bleus
que tes gardes m’ont faits aux bras, avec ma peur qui me tord le ventre, moi
je suis reine."
Sie spricht direkt ins Herz - und ist außerdem seit über 2500 Jahren brandaktuell.
PS: Aus dem Prolog von Anouilhs Antigone: "C’est Eurydice, la femme de Créon. Elle tricotera pendant toute la tragédie jusqu’à ce que son tour vienne de se lever et de mourir."
:-)
Mittwoch, 4. Juli 2007
Buchtipp!
Ich bin schwer beeindruckt von Norbert Bolz' "Helden der Familie"
http://www.amazon.de/Die-Helden-Familie-Norbert-Bolz/dp/3770543300
Bin noch nicht ganz fertig damit, kann es aber jetzt schon wärmstens empfehlen. Da steht mal was ganz Neues - und dennoch Selbstverständliches drinnen.
Achtung: Das Christentum hat er leider völlig mißverstanden (insb. ab S. 73). Das tut dem Rest aber keinen Abstrich!
http://www.amazon.de/Die-Helden-Familie-Norbert-Bolz/dp/3770543300
Bin noch nicht ganz fertig damit, kann es aber jetzt schon wärmstens empfehlen. Da steht mal was ganz Neues - und dennoch Selbstverständliches drinnen.
Achtung: Das Christentum hat er leider völlig mißverstanden (insb. ab S. 73). Das tut dem Rest aber keinen Abstrich!
Faszinierende Bilder...
... von ungeborenen Kindern finden sich in dieser YouTube Fotosequenz, abgesehen von ein paar amerikanisches cheesy Schnitzern.
http://youtube.com/watch?v=fyFrGbAvfHc
http://youtube.com/watch?v=fyFrGbAvfHc
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